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Pfandleihverordnung

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Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher (Pfandverleihverordnung – PfandIV)
In der Fassung der Bekanntmachung vom 14.11.2001 (BGBL.I, S. 3073)

  1. Geltungsbereich der Erlaubnis.
    Die Erlaubnis zum Betrieb des Gewerbes eines Pfandleihers gilt für den Geltungsbereich dieser Verordnung.

  2. Anzeige.
    Der Pfandleiher hat der zuständigen Behörde bei Beginn des Gewerbebetriebes anzuzeigen, welche Räume er für den Gewerbebetrieb benutzt; ferner hat er jeden Wechsel der für den Gewerbebetrieb benutzten Räume unverzüglich anzuzeigen.

  3. Buchführung.
    (1) Der Pfandleiher hat über jedes Pfandleihgeschäft und seine Abwicklung nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung Aufzeichnungen zu machen sowie Unterlagen und Belege zu sammeln. Die Aufzeichnungen sind unverzüglich und in deutscher Sprache vorzunehmen. Die Verpfändungen sind nach ihrer Zeitfolge aufzuzeichnen. 239 Abs. 2 bis 4 des Handelsgesetzbuchs gilt sinngemäß.

    (2) Aus den Aufzeichnungen, Unterlagen und Belegen müssen ersichtlich sein:

    1. laufende Nummer des Pfandleihvertrages, bei Erneuerung des Pfandleihvertrages ( 6 Abs. 3) die laufende Nummer des früheren Vertrages und des Erneuerungsvertrages,

    2. Tag des Vertragsabschlusses,

    3. Name und Vorname; Geburtstag, Wohnort und Wohnung des Verpfänders sowie Art des Ausweises, aus dem diese Angaben entnommen sind, und ausstellende Behörde,

    4. schriftliche Vollmacht des Verpfänders, falls der Überbringer nicht der Verpfänder ist,

    5. Betrag und Fälligkeit des Darlehens,

    6. vereinbarte Leistungen, soweit diese nicht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Pfandleihers festgelegt sind,

    7. Tag der Einlösung,

    8. Bezeichnung des Pfandes nach Zahl und Art sowie die zur Unterscheidung geeigneten Angaben, wie Maß, Fabrikmarke und -nummer, bei Gold- und Silbersachen Gewicht und etwaiger Feingehaltsstempel, bei Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern:

    a) Art, Hersteller und Typ,
    b) amtliches Kennzeichen,
    c) Fabriknummer des Fahrgestells und des Motors,
    d) Anzahl der Ersatzreifen,
    e) Nutzlast (nur für Lastkraftwagen und Kraftfahrzeuganhänger),

    9. Zahlungen des Verpfänders,

    10. Tag der Verwertung,

    11. Höhe und Verbleib des Verwertungserlöses und

    12. bei Verlust eines Pfandscheines Tag der Mitteilung des Verlustes.

    (3) Die Aufzeichnungen, Unterlagen und Belege sind in den Geschäftsräumen drei Jahre aufzubewahren. Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem Aufzeichnungen zu machen, Unterlagen oder Belege zu sammeln waren.

    (4) Eine nach anderen Vorschriften bestehende Pflicht zur Buchführung und zur Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Belegen bleibt unberührt.

  4. (aufgehoben)

  5. Annahme des Pfandes.
    (1) Der Pfandleiher darf das Pfand nur annehmen, wenn er mit dem Verpfänder vereinbart, dass

    1. er sich wegen seiner Forderung auf Rückzahlung des Darlehens sowie auf Zahlungen von Zinsen, Vergütungen und Kosten nur aus dem Pfand befriedigen darf,

    2. er berechtigt ist, zwei Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem das Pfand verwertet worden ist, den Teil des Erlöses, der ihm nicht zu seiner Befriedigung gebührt und nicht an den Verpfänder ausgezahlt worden ist, an die zuständige Behörde abzuführen, und dass damit dieser Teil des Erlöses verfällt. Er darf für die Fälligkeit des Darlehens keine kürzere Frist als drei Monate vereinbaren.

    (2) Ist der Überbringer nicht der Verpfänder, so darf der Pfandleiher das Pfand nur annehmen, wenn ihm der Überbringer eine schriftliche Vollmacht des Verpfänders aushändigt.

  6. Pfandschein.
    (1) Der Pfandleiher hat dem Verpfänder unverzüglich nach Abschluss des Pfandleihvertrages einen Pfandschein auszuhändigen, der von dem Pfandleiher oder seinem Bevollmächtigten unterzeichnet ist; eine vervielflätigte Unterschrift genügt.

    (2) Der Pfandschein muss die in 3 Abs. 2 Nr. I bis 3 und 5 bis 8 genannten Angaben sowie die Geschfätsbedingungen enthalten und gut lesbar sein.

    (3) Der Pfandleiher hat dem Verpfänder einen neuen Pfandschein auszuhändigen, wenn der Pfandleihvertrag verlängert oder sonst genädert wird (Erneuerung).

  7. Aufbewahrung.
    (1) Jedes Pfand ist mit der auf dem Pfandschein angegebenen Nummer des Pfandleihvertrages zu versehen. Bezieht sich der Pfandschein auf mehrere Pfänder, so kann die Nummer auf einer gemeinsamen Umhüllung vermerkt oder an einer die Pfänder zusammenhaltenden Befestigung angebracht werden.

    (2) Die Pfänder sind in besonderen Räumen oder Behältnissen und leicht auffindbar aufzubewahren. Diese Räume und Behältnisse dürfen nicht gleichzeitig für die Ausübung eines anderen Gewerbes benutzt werden. Die Räume müssen trocken, gut zu lüften und zur sicheren Aufbewahrung der Pfänder geeignet sein.

    (3) Als Ausübung eines anderen Gewerbes im Sinne des Absatzes 2 ist nicht der Verkauf von Sachen anzusehen, die der Pfandleiher aus seinem Pfanderbestand ersteigert hat.

    (4) Ist dem Pfandleiher der Verlust eines Pfandscheines mitgeteilt worden, so hat er das Pfand unverzgülich mit einem entsprechenden Vermerk zu versehen

  8. Versicherung.
    Der Pfandleiher hat das Pfand mindestens zum doppelten Betrag des Darlehens gegen Feuerschäden, Leitungswasserschäden, Einbruchdiebstahl sowie angemessen gegen Beraubung zu versichern.

  9. Verwertung.
    (1) Der Pfandleiher darf sich frühestens einen Monat nach Eintritt der Fälligkeit des gesamten Darlehens aus dem Pfand befriedigen, es sei denn, dass der Verpfänder nach Eintritt der Fälligkeit einer früheren Verwertung zustimmt.

    (2) Der Pfandleiher hat das Pfand spätestens sechs Monate nach Eintritt der Verwertungsberechtigung zu verwerten. Die zuständige Behörde kann auf Antrag des Pfandleihers die Frist aus wichtigem Grund verlängern. Ist der Pfandleiher durch eine gerichtliche oder behördliche Maßnahme an der fristgerechten Verwertung des Pfandes verhindert, so wird die Frist bis zur Aufhebung einer solchen Maßnahme gehemmt; der Zeitraum, während dessen die Frist gehemmt ist, wird in dieVerwertungsfrist nach Satz I nicht eingerechnet.

    (3) Absatz 2 Satz 1 findet keine Anwendung, wenn der Pfandleiher auf Verlangen des Verpfänders eine andere Verwertungsfrist mit diesem vereinbart.

    (4) Der Pfandleiher hat zu veranlassen, dass die Versteigerung mindestens eine Woche und höchstens zwei Wochen vor dem für die Versteigerung vorgesehenen Zeitpunkt in einer Tageszeitung, in der üblicherweise amtliche Bekanntmachungen veröffentlicht werden, bekannt gemacht wird. Die Bekanntmachung muss Ort und Zeit der Versteigerung, die allgemeine Bezeichnung der Pfänder, den Namen oder die Firma des Pfandleihers, die Nummern der einzelnen Pfandleihverträge oder die
    Anfangs und Endnummern der zur Versteigerung gelangenden Serie sowie den Zeitraum der Verpfändungen ergeben; bei Pfändern, deren Versteigerung bereits in früheren Anzeigen bekannt gemacht worden ist und die nicht versteigert worden sind, genügt an Stelle der Angabe der Nummern und des Zeitraumes ein Hinweis auf die früheren Anzeigen.

  10. Zinsen und Vergütung.
    (1) Der Pfandleiher darf für die Hingabe des Darlehens, für die Kosten seines Geschäftsbetriebes einschließlich der Aufbewahrung, der Versicherung und der Schätzung des Wertes des Pfandes sowie für die Kosten der Pfandverwertung höchstens fordern, vereinbaren oder sich gewähren lassen

    1.für die Hingabe des Darlehens einen monatlichen Zins von eins vom Hundert des Darlehensbetrages,

    2. für die Kosten des Geschäftsbetriebes Vergütungen gem der Anlage zu' dieser Verordnung,

    3. die notwendigen Kosten der Verwertung.

    Wird das Darlehen in Teilbetärgen zurückgezahlt, sind die Zinsen und die Vergütungen für die Kosten des Geschäftsbetriebes nach dem noch geschuldeten Teil des Darlehens zu berechnen.

    (2) Kosten des Geschäftsbetriebes im Sinne des Absatzes 1 sind nicht

    1. Prämien für eine auf Verlangen des Verpfänders abgeschlossene besondere Versicherung,

    2. Kosten eines Gutachtens über den Wert des Pfandes.

    (3) Der Pfandleiher darf sich die in Absatz 1 genannten Leistungen nicht im voraus gewähren lassen.

    (4) Soweit nach Absatz 1 Zinsen und Vergütungen nach Monaten berechnet werden, gilt folgendes:

    1. Der Tag der Hingabe des Darlehens darf nur mitgerechnet werden, wenn das Darlehen an diesem Tage zurückgezahlt wird,

    2. ein angefangener Monat darf als voller Monat gerechnet werden.

    (5) Werden mehrere Pfänder gleichzeitig verwertet, so sind die nicht ausscheidbaren notwendigen Kosten der Verwertung (Absatz 1 Nr. 3) im Verhältnis des Gesamterlöses zum Erlös für das einzelne Pfand aufzuteilen.

  11. Überschüsse aus der Verwertung.
    Der Pfandleiher hat überschüsse, über die Vereinbarungen nach 5 Abs. 1 Nr. 2 abgeschlossen sind, spätestens einen Monat nach Ablauf der in 5 Abs. 1 Nr. 2 bezeichneten Frist an die zuständige Behörde abzuführen; die zuständige Behörde kann auf Antrag des Pfandleihers die in Satz 1 genannte Frist von einem Monat aus wichtigem Grunde verlängern. Die abgeführten Überschüsse verfallen dem Fiskus des Landes, in dem die Verpfändung erfolgt ist.

  12. Aushang.

  13. Der Pfandleiher hat in seinen Geschftsräumen an gut sichtbarer Stelle einen Abdruck dieser Verordnung auszuhängen.

    12 a Ordnungswidrigkeiten.
    Ordnungswidrig im Sinne des 144 Abs. 2 Nr. 1 der Gewerbeordnung handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

    1. entgegen 2 die für den Gewerbebetrieb benutzten Räume oder einen Wechsel der Räume nicht oder nicht rechtzeitig anzeigt,

    2. einer Vorschrift des 3 Abs. 1,2 oder 3 ber Aufzeichnungen, Unterlagen und Belege zuwiderhandelt,

    3. (aufgehoben)

    4. einer Vorschrift

    a) des 5 über die Annahme des Pfandes und die Fälligkeit des Darlehens,
    b) des 6 über die Aushändigung, den Inhalt und die Erneuerung des Pfandscheines oder
    c) des 7 Abs. 1 oder 2 über die Nummerierung und die Aufbewahrung des Pfandes oder des 7 Abs. 4 über das Versehen des Pfandes mit einem Vermerk zuwiderhandelt,

    5. entgegen 8 ein Pfand nicht vorschriftsmäßig versichert,

    6. entgegen 9 Abs. 1 sich aus dem Pfand befriedigt, entgegen 9 Abs. 2 Satz 1 das Pfand nicht rechtzeitig verwertet oder entgegen 9 Abs. 4 nicht veranlasst, dass die Versteigerung rechtzeitig und vorschriftsmäßig bekannt gemacht wird,

    7. einer Vorschrift des 10 über Zinsen, Kosten und Vergütungen zuwiderhandelt,

    8. entgegen 11 Satz 1 überschsse nicht oder nicht rechtzeitig abführt oder

    9. entgegen 12 einen Abdruck dieser Verordnung nicht aushängt.

  14. Aufhebung und Nichtanwendung von Vorschriften. (nicht abgedruckt)

  15. Übergangsvorschriften.
  16. (1) Bei Inkrafttreten dieser Verordnung noch nicht abgewickelte Pfandleihgeschäfte sind nach den bisher geltenden Vorschriften abzuwickeln.

    (2) Der Pfandleiher hat die Benutzung von Räumen, die er bei Inkrafttreten dieser Verordnung für den Gewerbebetrieb benutzt, innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Inkrafttreten dieser Verordnung der zuständigen Behörde anzuzeigen.

  17. Berlin-Klausel. (gegenstandslos)

  18. Inkrafttreten.
    (1) Diese Verordnung tritt am 1. März 1961 in Kraft.

    (2) Betriebe, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits bestehen und deren Räume und Behältnisse gleichzeitig für die Ausübung eines anderen Gewerbes benutzt werden, unterliegen der Vorschrift des 7 Abs. 2 Satz 2 erst ab 1. Januar 1966.

  19. Anlage (zu, 10 Abs. 1 Nr. 2)
    Für die Kosten des Geschäftsbetriebes darf der Pfandleiher höchstens fordern, vereinbaren oder sich gewähren lassen

    1. eine monatliche Vergütung von Euro 1,00 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 15,00

    Euro 1,50 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 30,00
    Euro 2,00 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 50,00
    Euro 2,50 bei einem Darlehen bis einschlielßich Euro 100,00
    Euro 3,50 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 150,00
    Euro 4,50 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 200,00
    Euro 5,50 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 250,00
    Euro 6,50 bei einem Darlehen bis einschließlich Euro 300,00

    Bei einem Darlehen, das den Betrag von 300 Euro übersteigt, unterliegt die monatliche Vergütung der freien Vereinbarung.

    2. Neben der in Nummer 1 genannten monatlichen Vergütung kann für die Aufbewahrung, Pflege und Versicherung von Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern, Krafträdern mit und ohne Beiwagen, Kraftwagen, Zugmaschinen und Kraftfahrzeuganhängern eine tägliche Vergütung vereinbart werden.